Hamburger Werkstatt

Perfektes Zusammenspiel

Die Hamburger Werkstatt investiert in intelligente Sprachalarmierungs- und Evakuierungstechnik. So werden hilfsbedürftige Personen ohne Eigenrettungsmöglichkeit besser berücksichtigt.

Die Hamburger Werkstatt ist eine Einrichtung mit dem Ziel, Menschen mit Behinderung einen quali. zierten und individuell angepassten Arbeitsplatz anzubieten. Rund 800 Mitarbeiter sind auf 30.000 m² Fläche mit Tätigkeiten der Bereiche Metall, Elektro, Holz, Papier und Textil sowie Dienstleistungen beschäftigt. Selbstverständlich unterliegt auch diese Einrichtung den einschlägigen Vorschriften für eine Alarmierung im Rahmen eines Brandfalls, bei der in diesem Fall ein besonderes Augenmerk auf die vielen Menschen mit Behinderung gelegt werden muss, da diese zum Teil die Ansagen nicht hören oder sich aus eigener Kraft nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Aus diesem Grund wurde in der Hamburger Werkstatt ein entsprechend ausgelegtes Sprachalarmierungs- und Evakuierungssystem installiert. Geplant wurde die Anlage von der Mediasystem GmbH, die in Zusammenarbeit mit Hörmann Kommunikationstechnik sowie TOA das Projekt umgesetzt hat.

Der große Vorteil einer sprachgesteuerten Alarmierung in Gefahrensituationen liegt darin, dass nicht nur ein Alarmsignal ausgespielt wird, sondern zugleich genaue Handlungsanweisungen gegeben werden können. Zu Beginn der Planungen stellte sich heraus, dass die Hamburger Werkstatt, als relativ große Einrichtung, im Brandfall nicht rechtzeitig vollständig evakuiert werden kann. Die ausgebildeten Ersthelfer müssen sich voll auf die am stärksten betroffenen Bereiche konzentrieren – gleichzeitig benötigen viele der Menschen mit Behinderung Hilfe. Daher wurde die Hamburger Werkstatt in ca. 80 Brandzonen eingeteilt, zwischen denen die Brandmeldeanlage unterscheidet und eine entsprechend differenzierte Meldung an die Sprachalarmierungsanlage weitergibt. So können die betroffenen Zonen durch vorher exakt definierte Evakuierungsdurchsagen informiert werden.

Die Durchsagen müssen klare Informationen für die Ersthelfer beinhalten, dürfen zugleich jedoch niemanden in Panik versetzen. Daher wurden die Durchsagen für die Hamburger Werkstatt nach folgendem Schema aufgebaut: „Code 01, 1. Obergeschoss, Bereich Grün 2. Alle, die diese Durchsage hören, verlassen das Gebäude und gehen zum Sammelpunkt.“ Die als Ersthelfer ausgebildeten Mitarbeiter entnehmen dieser Ansage die Information, dass ein Feueralarm ausgelöst wurde („Code 01“) und in welchem Gebäudeteil dieser initiiert wurde („Grün 2“). Durch diese Codes und die Einteilung in Farbzonen können alle Ersthelfer instruiert werden, ohne mit einer Ansage wie „Feueralarm in der Metallwerkstatt“ alle anderen Menschen in Panik zu bringen.

So wurden insgesamt 69 Evakuierungszonen mit individuellen Anweisungen für die jeweiligen Bereiche de. niert. Eingespielt werden die Evakuierungstexte nur in der Zone in der die Brandmeldung erfolgte sowie in dem benachbarten Abschnitt. Über eine weitere Durchsage „Code 01, 1. Obergeschoss, Bereich Grün 2. Warten Sie auf weitere Anweisungen.“ werden alle weiteren Ersthelfer darüber in Kenntnis gesetzt, dass sie in dem betroffenen Bereich die behinderten Menschen bei der Evakuierung unterstützen sollen. Dank dieses Konzeptes ist man im Zusammenspiel mit den Ersthelfern in der Lage, zielgerichtet und schnell zu evakuieren, was regelmäßig in Testläufen mit dem Personal trainiert wird.

Für dieses Projekt musste die Brandmeldeanlage in der Lage sein, detaillierte Informationen zum Standort des Brandalarms an die Alarmierungsanlage weiterzugeben, damit die Brandzonen mit den zuvor programmierten Evakuierungstexten individuell beschallt werden können. Dazu war eine Alarmierungsanlage erforderlich, die die ohnehin große Anzahl an Lautsprechern zielgerichtet ansteuern kann – auch unter Berücksichtigung einer A/B-Verkabelung, damit im Brandfall bei Azsfall einer Lautsprecherlinie die Evakuierung weiterhin gewähleistet ist.

Das TOA VX-2000 System mit großem Sprachspeicher ermöglicht die genaue Adressierung verschiedener Lautsprecherkreise und individueller Evakuierungstexte. Die komplette Anlage besteht aus Systemmanager, Überwachungsrahmen, Steuereingangsmodul sowie Notstrom-Manager für eine Spannungsversorgung nach DIN EN54-4. Mediasystem fertigte vier Systemschränke für die Brandmeldezentrale, sodass die gesamte Anlage inklusive entsprechender Akku-Einheiten und Verstärker zentral untergebracht werden konnte.

Das ungewöhnliche, jedoch erforderliche Evakuierungskonzept mit den individuellen Brandzonen konnte dank sorgfältiger Planung in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr sowie der Verwendung von Standardkomponenten trotz allem kostengünstig umgesetzt werden. Ein derartiges Szenario ist generell für alle interessant, die mit hilfsbedürftigen Personen zu tun haben, wie zum Beispiel Seniorene inrichtungen oder Krankenhäuser.