Chinesische Botschaft, Berlin

Kultur-Allround-Saal für die Chinesische Botschaft

Ein Vierteljahrhundert lag der Kinosaal im ehemaligen FDGB-Hauptsitz in Berlin im Dornröschenschlaf. Im Auftrag der Chinesischen Botschaft durfte die Firma VST ihn erwecken und zum multifunktionalen Kulturtempel umbauen.

Die mit rotem Stoff bezogenen 350 Kinoklappsessel gehören zur Originalausstattung wie die holzvertäfelte Wand. „Das war gehobener DDR-Standard. Jeder hatte an seinem Platz frische Luft, denn in den Stühlen sind Lüftungsschächte verbaut, die auch weiterhin für die Klimaanlage genutzt werden“, sagt Nick Erdmann, der als Projektleiter den video- und audiotechnischen Umbau für die Firma VST GmbH geleitet hat.

Kurz vor der Wende, 1988 wurde der Hauptsitz des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) am Märkischen Ufer nahe der Jannowitzbrücke als siebenstöckiges Gebäude errichtet. Nach dem Umbau 2001 zog die Chinesische Botschaft ein. „Der alte Kinosaal ist so gut wie nie bespielt worden“, sagt Andreas Karsten, der als selbständiger Ingenieur die Vorplanung für die Kinosaalerneuerung betreut hat. Das Konzept der Chinesen sah nun vor, den Raum, der über eine Bühne verfügt, sowohl für Kino- und Theateraufführungen als auch für Kongresse und Empfänge zu nutzen.

Mit einem 7.1 Surround-System von JBL haben sie eine sehr hochwertige Technik bekommen, die dem Kinostandard entspricht. Für den Theater- und Konferenzbetrieb wurde eine gesonderte Frontbeschallung installiert. Die alten Filmmaschinen, die „vielleicht insgesamt 10 Stunden gelaufen sind“, sagt Karsten, wurden abmontiert und durch zeitgemäße Projektionstechnik, einen 12.000 ANSI Lumen lichtstarken Projektor von PANASONIC ersetzt. Dieser empfängt sein hochaufgelöstes Videosignal über die aktuelle Videoverteil- und Skalierungstechnologie DTP/XTP des Herstellers Extron. Damit ist es möglich, hochaufgelöste 2D und 3D-Inhalte über große Kabellängen mit einem CAT-Netzwerkstandardkabel umzusetzen.

Im oberen Bereich des Kinosaals, im ehemaligen Projektorraum, ist nun ein Regietisch untergebracht, der als das Herz der Installation gilt. Die Licht- und Beschallungsanlagen und die Anschlüsse für die Medientechnik können hier von Technikern manuell bis ins kleinste Detail über das Lichtstellenpult (Zero 88) und die Audioconsole (Yamaha CL3) bedient werden.

Zusätzlich steht ein Touchpanel bereit, mit dem sich programmierte Szenen einer AMX-Mediensteuerung abrufen lassen. Ohne technische Spezialausbildung kann damit beispielsweise die erneuerte Lichtanlage auf verschiedene Anwendungen eingestellt werden: gedimmtes Licht für den Kinobetrieb, Bühnenbeleuchtung für Vorträge. Auch Projektor, Bluray-Player und Vorhang sind damit bedienbar. Je nach Filmformat kann mehr oder weniger von der Leinwand verhüllt werden.

Vor einer Herausforderung stand der VST-Ingenieur Robert Möller: Er hatte für eine zweisprachige Bedienoberfläche in Deutsch und Chinesisch zu sorgen, ohne selbst über Sprachkenntnisse in Chinesisch zu verfügen. Er listete in Word alle zu übersetzenden Bedien-Buttons auf und die
deutsch sprechenden Mitarbeiter der Botschaft suchten entsprechende chinesische Schriftzeichen heraus. Ein zweites dieser zweisprachigen Touchpanels steht unten im Saal. So können auch von hier aus verschiedene Raumszenarien und die gesamte Medientechnik bedient werden, für die es zahlreiche Anschlussmöglichkeiten im Bühnenbereich gibt. Zum Einsatz kommt dabei das DANTE- Audionetzwerk, das ohne wahrnehmbare Verzögerung qualitativ hochwertige Audiosignale im Raum verteilt. In dieses Netzwerk werden auch die Audiosignale der Funkmikrofone von Shure gespeist, die durch die AES-256-Verschlüsselungstechnik abhörsicher sind.

Begonnen wurde mit dem Umbau im April. Mit dem ersten „Tag der offenen Tür“, den die Chinesische Botschaft jemals veranstaltet hat, konnte im Juli der Saal feierlich eröffnet werden. „Das soll als Zeichen der Öffnung verstanden werden“, sagt der VST-Ingenieur Erdmann, der bei der Einweihungsfeier war und nun hofft, dass die neue Technik den Kulturaustausch beflügelt.